Funktionelle Neurochirurgie / Schmerztherapie

Die funktionelle Neurochirurgie hat sich erst in den letzten zwei Jahrzehnten etabliert und wird daher nur in wenigen neurochirurgischen Kliniken schwerpunktmäßig angeboten. Generell ist hierunter die Wiederherstellung von krankheitsbedingt verloren gegangenen Funktionen oder die Schmerzunterdrückung durch Stimulation von Gehirn oder Nerven zu verstehen.

M. Parkinson und andere Bewegungsstörungen
Der M. Parkinson, charakterisiert durch Steifigkeit und Zittern der Gliedmaßen, lässt sich vielfach durch Medikamente behandeln. Bei Medikamentenunverträglichkeit oder Spätfolgen langjähriger Medikamenteneinnahme, wie starke Wirkungsschwankungen oder Überbeweglichkeit, ist die Tiefenhirnstimulation (THS) heute eine akzeptierte therapeutische Alternative. Bei dieser Operation wird beidseits in der Tiefe des Gehirns eine Elektrode platziert, die unter der Haut verbunden ist mit einem im Bereich der Brust eingebauten Schrittmacher. Über diesen Schrittmacher werden die Hirnkerne dauerhaft elektrisch gereizt (Abb). Dadurch lassen sich die Symptome des M. Parkinson kontrollieren. Die dadurch mögliche Verringerung der Medikamente beeinflusst positiv die negativen Folgen der langjährigen Medikamenteneinnahme. Die Indikationsstellung und die Operation erfolgen in enger Kooperation  mit der Elena-Klinik Kassel (Leitung: Frau Professor Trenkwalder) und dem Parkinson-Zentrum Göttingen. Auch weitere Bewegungsstörung wie der essentielle Tremor und die Dystonie lassen sich in gleicher Weise durch die Tiefenhirnstimulation erfolgreich behandeln.

Abb.: Magnetresonanztomographie (MRT) zur Planung der Elektrodenlage (gelber und grüner Strich) im Hirnkern (gelb)


Fallfuß nach Schlaganfall

Nach einem Schlaganfall durch Sauerstoffmangel oder Blutung im Gehirn wird die Mobilisierung des Patienten durch einen Fallfuß deutlich beeinträchtigt. Die Anpassung einer Schiene ist die übliche Therapie. Die Göttinger Neurochirurgie ist in Kooperation mit der Firma Otto Bock und der Abteilung für Klinische Neurophysiologie (Prof. Liebetanz) der internationale Vorreiter in der Behandlung des Fallfußes mittels eines eingebauten Stimulators. Durch Sensoren wird die Position des Fußes registriert. Befindet sich der Fuß in der Schwungphase nach vorne, erfolgt über einen am Oberschenkel eingebauten Stimulator die Aktivierung des für die Vorfußhebung notwendigen Nervs. Durch die Vorfußhebung kommt es zu einer deutlichen Verbesserung des Gehens. Die Mobilität des Patienten mit Schlaganfall steigt. 


Chronischer Schmerz
Werden Patienten nach neurochirurgischen Operationen bei altersbedingtem Verschleiß der Lendenwirbelsäule nicht schmerzfrei, kommt ein abgestuftes Behandlungskonzept zum Einsatz, welches zunächst in Kooperation mit der Schmerzambulanz der Universitätsmedizin Göttingen eine Optimierung der Gabe der Schmerzmedikamente und eine Betreuung zur besseren Schmerzverarbeitung umfasst. Bleibt dies erfolglos, kann der Einbau eines sogenannten Rückenmark-Stimulators (SCS-Elektrode) sinnvoll sein. Hierbei wird eine Elektrode auf der Oberfläche des Rückenmarks platziert und mit einem Generator, der sich unter der Haut an der Seite des Bauches befindet, verbunden. Die Stimulation des Rückenmarks hemmt die Weiterleitung der Schmerzimpulse zum Gehirn. Eine Sonderform des chronischen Schmerzes ist die Trigeminusneuralgie. Durch den zu engen Kontakt eines Blutgefäßes mit dem fünften Hirnnerven kommt es zu einschießenden Schmerzen im Gesicht. Ist die medikamentöse Therapie nicht ausreichend, wird in einem mikrochirurgischen Eingriff der Kontakt zwischen Gefäß und Nerv durch Zwischenschaltung eines Teflon-Stückchens aufgehoben (Abb).

Abb. Intraoperative Darstellung des Trigeminusnerven (gelblich) und der komprimierenden Gefäße


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